Der Wolf kehrt zurück

 

In den vergangenen Wochen mehren sich im Land zwischen den Meeren , Schleswig- Holstein, die Berichte, dass der Wolf nach über Jahren zurück gekehrt ist.

 

1653 wurden in Schleswig- Holstein Prämien für die Ausrottung der Wölfe ausgelobt. Für jeden Altwolf gab es 6, für jeden Jungwolf 2 Taler.Um das Ziel der Ausrottung zu erreichen, legte man letztlich große Treibjagden an und Männer wurden amtlich zur teilnahme verpflichtet.1759 , nach Erlegung von 9 Wölfen, glaubte man, das Ziel erreicht zu haben.Im Jahr 1820 erfuhr dann Hinrich Schümann, der Heger des Apothekerholzes in Brokenlande, dass ein Schäfer am Vierkamp einen Wolf gesehen hätte. Der Sohn Schümanns suchte das Tier und erlegte es. Letztmalig wurde ein Wolf in Schleswig- Holstein bei Neumünster erlegt und danach schien er aus unserer Wildnis verschwunden zu sein.So jedenfalls lauten die handschriftlichen Aufzeichnungen von Christian Kröger aus Malente.

Galt der Wolf doch als Gefahr für Leib und Leben von Mensch und Tier. Als „Isegrim" verkörperte er das Sinnbild des Bösen, dem Bösartigkeit und Rücksichtslosigkeit nachgesagt wurde. Auch im Märchen Rotkäppchen spielt er die Rolle des menschenfressenden Ungeheuers.

 

Im Laufe der Jahrzehnte geriet der Wolf als natürlicher Teil unserer Umwelt, aber auch als eines der größten Raubtieres unseres Landes, in Vergessenheit.

 

Natürlich wird er immer als Stammvater der Hunde bezeichnet, doch existent war er für uns nur noch in Zoos und Wildparks.

Bis zum Jahr 2007, als nahe Süsel, Schleswig- Holstein, ein echter Wolf überfahren wurde. Der etwa 2jährige Rüde wog 37kg und war, bevor ihn das Auto erfasste, in nicht optimaler körperlicher Verfassung. Sein Fell war zerzaust und voller Parasiten, in seinen Eingeweiden fand man Bindegewebe, Knochen, Fell,usw., vermutlich Reste von Kaninchen und anderen Kleinsäugern. Neben dem Erstaunen und Entsetzen der Menschen über diese Begebenheit gab es auch Freude über das offensichtliche Vorhandensein von freilebenden Wölfen in Schleswig- Holstein. Eine Genüberprüfung ergab, dass dieser Rüde einer Wolfspopulation aus Sachsen entsprungen sein musste. Immerhin bedeutet das eine Entfernung von 450 - 500km in der Luftlinie.

Damals berichtete man noch, dass die Wahrscheinlichkeit weiterer Wolfsbeobachtungen eher gering sei, aber dass unser Bundesland wohl wieder durch Wölfe besiedelt werden könnte. Auf jeden Fall aber wolle man sich bei einer - eher unwahrscheinlichen- Ansiedlung von Wölfen vorbereitend wappnen.

 

Danach blieb es wieder lange Zeit still, bis zum Sommer dieses Jahres. Nahe dem Wildpark Eekholt, der interessanterweise auch das zuständige Wolfsinfozentrum des Landes Schleswig- Holsteins ist (www.wolfsinfozentrum.de), wurde mittels einer Fotofalle ein weiterer wilder Wolfsrüde nachgewiesen.

Heute steht der Wolf unter einem strengen Schutz und darf weder bejagt noch anderweitig gestört werden.

Um den Wölfen eine Wiederansiedlung zu ermöglichen, wurden verschiedene Programme und Massnahmen ins Leben gerufen.

Beginnend beim Washingtoner Artenschutzabkommen über die Berner Konvention bis hin zum Bundesnaturschutzgesetz steht der Wolf unterstrengem Schutz.

In Schleswig- Holstein ist der Wildpark Eekholt als Wolfsinformationszentrum des Landes Schleswig- Holstein der zentrale Ansprechpartner für alle Fragen und Massnahmen rund um den Wolf. Dort kann man Wolfshinweise melden melden und auch eine Telefon-Hotline wurde eigens dafür eingericht. Ehrenamtliche Wolfsbetreuer stehen für die verschiedenen Regionen zur Verfügung.

 

Auf den Seiten www.wolfsinfozentrum.de finden sich viele Informationen zum Thema Wolf. Ein spezieller downloadbereich bietet weitergehende Informationen und Gesetzesgrundlagen. Wer also nach Herdenschutzhinweisen sucht oder den Wolfmanagementplan oder die Wolfsrichtlinien des Landes Schleswig- Holstein einsehen möchte, der wird hier fündig. Ein Besuch dieser Seite oder auch ein persönlicher Besuch des Wildparkes Eekholt lohnt sich auf jeden Fall.

Auch der Naturschutzbund (www.nabu.de) nimmt sich des Wolfes an und heisst ihn „Willkommen".Eine speziell eingerichtete Internetseite (www.willkommen-wolf.de) des NaBu informiert über den Wolf und stellt seine Projekte zum Schutz des Wolfes vor. Spezielle Patenschaften können helfen, die Wiedereingliederung des Wolfes in Deutschland zu unterstützen. So werden dadurch zum Beispiel Fotofallen finanziert, die das Auftreten der Wölfe in unseren Regionen dokumentieren. Der Nabu hat ebenfalls einen Wolf-Fond initialisiert, der durch Wölfe entstandene Schäden von über 7.500 Euro ausgleicht, denn der Bund selbst kommt nur bis zu dieser Höhe für Schäden durch Wölfe auf. Der NaBu freut sich natürlich nicht nur über so prominente Wolfspaten wie Mariele Millowitsch und Hardy Krüger, sondern über jeden einzelnen, der bereit ist durch eine Spende die Wiederansiedlung des Wolfes zu unterstützen.

 

Ebenfalls an diesem Wolfs- Fond haben sich der Freundeskreis der freilebenden Wölfe, die Stiftung Naturschutz des Landes Schleswig- Holstein, die Klara Samariter Stiftung, der WWF und der Wildpark Eekholt an diesem Fond beteiligt.

 

Selbst die Jägerschaft in Schleswig- Holstein erfreut sich über die erneute Zuwanderung eines Wolfsrüden und weist mit Nachdruck auf die schon seit Jahren geforderten Grünbrücken und Wildtunnel hin, damit die nun kommenden Wölfe nicht das gleiche Schicksal erleiden, wie der junge Rüde, der 2007 Opfer eines Autounfalls wurde.

Nicht nur in Schleswig- Holstein, sondern auch in den anderen Bundesländern traten Wölfe in den vergangenen Jahren auf:

Zur Zeiten der DDR wurde der Wolf stets bei seinem Erscheinen bejagt und zur Strecke gebracht.

1991 sichtete man Wölfe in Brandenburg. In Perleberg wurde ein wilder Wolfsrüde erschossen. Rechtliche Konsequenzen folgten nicht.

 

Im gleichen Jahr wurde im Kreis Bernau ein Wolf durch einen Jäger erschossen, dass gerichtliche Verfahren wurde eingestellt.

Ein dritter Wolf wurde in der Nähe von Buckow erlegt. Der Rüde hatte eine Begleiterin mit Welpen. Der Vorfall blieb ohne rechtliche Folgen.

1993 wurde in Berlin ein Wolf überfahren. 1994 wird bei Gandenitz in der Uckermark ein Wolf erschossen. Im gleichen Jahr wird in Bayern, nahe der tschechischen Grenze ein Wolf von einem Zug erfasst. 1999 wird auf einer Drückjagd in Mecklenburg- Vorpommern unter fadenscheinigen Begründungen ein Wolf erschossen. Das gerichtlich festgesetzte „Strafgeld" von 1500 Mark schlägt der gemeinnützige Verein „Gesellschaft zur Rettung der Wölfe" aus.Nachdem zwischenzeitlich einige aus Gehegen entflohene Wölfe erlegt werden, wird 2006 in Pöcking, Landkreis Starnberg, ein aus Italien stammender Wolf überfahren. Im gleichen Jahr wurde ein verendeter Wolf aufgefunden. 2006 wird in Sachsen ein toter Welpe entdeckt. Allerdings wies er ein besonderes Merkmal auf: Alle 4 Zehenpfoten waren zusammengewachsen, ein Merkmal der Schakale. 2007 wird in Sachsen eine junge Wölfin überfahren. Sie war etwa 9 Monate alt.

 

Ebenfalls in diesem Jahr erlag der Wolf in Süsel einem Autounfall. Im gleichen Jahr wird in sachsen eine tote Wölfin aufgefunden, ebenso wie eine Wölfin in Brandenburg. In dem bereits verwesenden Körper wird später ein Projektil gefunden.

Sie starb jedoch nicht unmittelbar an dem Schuß, sondern verblutete elendlich. Die Blutgefäße eines Laufes waren ihr zerfetzt worden. Es wurde zur Ergreifung des Täter eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt. 2008 wurde dieses Verfahren allerdings eingestellt. 2007 wurde im Kreis Lüchow- Dannenberg erneut ein Wolf erschossen. Allerdings nusste dieser Wolf 4 Einschüsse erleiden. Es wurden empfindliche Geldtrafen gegen die Jäger ausgesprochen. 2009 entdeckte man in Görlitz eine tote Wölfin. Sie starb an Schussverletzungen. Es wurde Anzeige gegen unbekannt erstattet und eine Belohnung von 10.000 Euro zur Ergreifung des Täters ausgelobt. Ebenfalls 2009 wurde in Sachsen- Anhalt ein Wolf erschossen. Der Hobbyjäger muss sich jetzt strafrechtlich verantworten. In diesem Jahr wurde der erste Wolf in Rheinland- Pfalz gesichtet.

 

So schockierend die letzten Zeilen waren, so wird es doch deutlich, dass der Schutz des Wolfes immer mehr Bedeutung erlangt.

In Deutschland leben derzeit 15 Wolfsrudel, 14 davon in den neuen Bundesländern. In Niedersachesen wurden jetzt Wolfswelpen in freier Natur auf einem Truppenübungsplatz gefimt.

Ich persönlich hoffe, dass sich der Wolf in Deutschland wieder etabliert und, wenn irgend möglich, die die Hobby-Jäger überflüssig macht. Eine Hege der Wildbestände ist notwendig, aber dafür sollten wir den Experten, nämlich den Wölfen, das wahre „Fair-Play" überlassen.

 

Die Bilder der Wölfe machte ich im Tierpark Neumünster. Wenn Du auf ein Bild klickst, öffnet sich ein neuer Rahmen und das Foto ist größer.