Knochen

Barfen ist angesagt, aber nicht nur bei dieser Ernährungsphilosophie, sondern auch allgemein heisst es, Knochen und insbesondere rohe Knochen seien gesund für den Hund.


Zum einen soll mit dem Kalzium aus Knochen der Phosphorgehalt der Ration balanciert werden, zum anderen sollen Knochen der Zahnpflege dienen und der Beschäftigung.


Die wenigsten hinterfragen aber die Sinnhaftigkeit und/ oder wägen Nutzen und Risiko ab. Die meisten folgen den propagierenden Aufrufen, Fleischknochen oder Knochen zu füttern und haben möglicherweise später ein (unerklärliches) gesundheitliches Problem

bei ihrem Hund.

Was steckt drin in einem Knochen?

Inorganische Bestandteile,

das bedeutet es existiert kein Carbon Atom,

 

65 - 70 % des Knochens besteht aus inorganischen Bestandteilen, und zwar überwiegend aus Hydroxiapatite. Man muss sich diese wie winzige Kristalle vorstellen. Hydroxiapatite bestehen aus 10 Kalziumatomen und 6 Phosphoratomen, 26 Oxygenatomen und 2 Hydrogenatomen.

 

Der Knochen besteht zu 65-70 % aus Hydroxiapatite die sich aus Kalzium, Phosphor, Oxygen und Hydrogen zusammensetzen.


Hydroxyapatit ist eine Form von Kalzium in Knochen und Zähnen also auch in Knochenmehl. Es wird als gut verfügbar für den Körper angepriesen, aber in einigen Studien zeigte sich, dass die Absorbtionsrate um 32% niedriger ist als die Absorbtionsrate von Kalziumcarbonat. Kalziumcarbonat wird eingesetzt als Antacid wenn zuviel Magensäure Probleme bereitet.


Er enthält keine Vitamine, Fette Enzyme, Proteine oder Kohlenhydrate, es ist einfach nur eine nette Quelle für Kalzium und Phosphor.

Quelle:  Miller's Anatomy Of The Dog, 2nd Edition, W. B. Saunders Co., page 112: "Bone is about one third organic and two thirds inorganic material. The inorganic matrix of bone has a microcrystalline structure composed principally of calcium phosphate."

 

Etwa 50-60 % des Magnesiums in unserem Körper lagern in den Knochen, und zwar in den Hydroxyapatiten (Kalziumphosphat) als Mineralbestandteil. Dieses Magnesium kann auch in Zeiten der Mangelernährung mittels Serum gelöst werden und so dem Körrper zur Verfügung stehen, allerdings lässt diese Möglichkeit des Ausgleichs von Magnesiummangel mit zunehmendem Alter nach. Das Magnesium löst sich nicht aus dem Hydroxyapatit. Aber vielleicht kennst Du einen Hund mit Schilddrüsenproblemen....Ursache könnte ein Magnesiummangel sein...

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/263326

Ich habe dann ein wenig weiter gesucht in den Weiten des WWW und fand die Analyse eines Knochenmehls (zur Fütterung an Tier). Die Angaben sind in ppm, das bedeutet zum Beispiel 12 ppm sind 0,12 mg

Zu Geflügelknochen fand ich die Angabe, dass sie 0,3% Magnesium liefern, 100g Geflügelknochen beinhalten 0,3 g oder 30mg Magnesium. Bedarfsdeckend sieht anders aus.

Ein Magnesiummangel kann übrigens auch zum Sodbrennen führen denn Magnesium entspannt den Spincter.

Organische Bestandteile,

das bedeutet: Substanzen mit Carbonatom:


30-35 % des Knochens besteht aus organischen Material ( in der Trockenmasse).


Von dieser Menge wiederum sind 95% Collagen. Collagen ist ein faseriges Protein. Für Hund und Katze ist es nur sehr schwer verdaulich.


Der Rest ist Chondroitinsulfat, Keratinsulfat und Phospholipid.


30-35 % des Knochens ist schwer verdauliches Collagen mit winzigen Anteilen anderer Komponenten.    


Quelle: Canine and Feline Nutrition by Case, Carey and Hirakawa, 1995, page 175... "The matrix of bone is composed of the protein collagen. Collagen is very poorly digested by dogs and cats yet will be analyzed as protein in the pet food."

Füttert man also 500g Knochen in der Trockenmasse, weil man davon wunderbare Nährstoffe für den Hund erwartet, dann gibt man ihm letztlich

70 % Mineralien und 30 % schwer verdauliches Collagen.

Wo also sind die wunderbaren anderen Nährstoffe?

Knochen enthält keinerlei Vitamine, Omega Fettsäuren, keine Enzyme und nur spärliche Anteile schwer verdaulicher Aminosäuren die an das Collagen gebunden sind und somit quasi nicht verfügbar.

Selbst wenn die Magensäure diese Aminosäuren auslösen könnten, so wäre der Ertrag nur ein Bruchteil der benötigten Nährstoffmenge.

 

Man kann also wirklich nur sagen, dass Knochen Kalzium UND Phosphor liefern. Ob damit zuverlässige eine phosphorreiche Fleischkost ausbalanciert werden kann, liegt in der Verantwortung des Menschen.

Und was ist mit dem Knochenmark?


Knochenmark ist nicht Knochen! Es setzt sich zusammen aus überwiegend Fett und Blutkomponenten. Sicherlich kann man dies als wertvolle Nahrung bezeichnen, aber diese geringe Menge reicht sicher nicht, um die Nährstoffbedürfnisse des Hundes zu decken.


Und die Knorpel?


Knorpel bestehen zu 50% schwer verdaulichem Collagen (faseriges Bindegewebe) und Mucopolysaccariden, Ketten aus Glukosemolekülen und Kombination mit Schleim.


Werden Knochen gefüttert, kann also kaum etwas aus den Knochen absorbiert werden und selbst Kalzium und Phosphor werden aus größeren, abgeschluckten Knochenteilen kaum absorbiert.

 

In einer kleineren Studie in der die Rohfutter- Rationen auf den Nährstoffgehalt geprüft wurden, kam man zu folgendem Ergebnis:

Ein unbalanciertes Kalzium- Phosphor- Verhältnis, erhöhte Vitamin D- Gehalte, zu niedrige Kalium- Gehalte, zu niedrige Magnesium- Gehalte, zu viel oder zu wenig Zink, zu wenig Eisen und erhöhten Vitamin E- Gehalt.

Wie kann das sein, dass das Kalzium- Phosphorverhältnis trotz Knochenfütterung nicht stimmt?

Ganz einfach: Das Phosphor aus Knochenmehl z.B. hat eine sehr, sehr hohe Bioverfügbarkeit, eindeutig besser als das Kalzium.

Siehe dazu die Quellen am Ende des Artikels.

 

Dafür besteht aber eine große Gefahr durch Knochenteile für die Zähne, den Schlund, den Magen und den Darm durch diese Knochenteile.

Entscheidet man sich dann für Knochenmehl, dann sind die o.g. Punkte sicherlich verbessert, aber die Balancierung der Nahrung ist ungewiss. Nicht nur ein zu wenig an Kalzium, auch ein zu viel hat negative Auswirkungen.

 

Siehe dazu auch: Sodbrennen beim Hund.

Hier erklärt sich dann möglicherweise dem ein oder anderem Barfer die irrigen Annahmen über die Knochenfütterung.

 

Der Nutzen eines Kalziums und der Effekt sind aber auch von anderen Nährstoffen abhängig. Ein Körper mit einem Vitamin D Mangel absorbiert nur 10% des Kalziums anstatt der üblichen 30%. Aber auch Vitamin K, Magnesium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan, Strontium und Boron beeinflusen die Verwertung von Kalzium.


Knochen, aber auch Fleisch im rohen Zustand sind schwer verdaulich! Der Körper muss extrem viel Magensäure bilden, um die Knochen zu verarbeiten. Oft genug macht dann eben genau diese viele Magensäure andere Probleme.


Im Handel sind geeignete Kalziumpräperate OHNE Phosphor, dafür aber mit anderen wichtigen Nährstoffen wie Magnesium, Kalium, Zink und Aminosäuren verfügbar.

Hier mal einige Kalzium-, Phosphorwerte

Kalzium %
Phosphor %
Feuchtigkeit %
Protein %
Fett %
 Rind mit Knochen 0,07
0,2
65,5
19,6
 12,2
Chicken Wings
0,87
0,78
64,8
17,2
12
Truthahnhälse
0,69
0,73
62,5
12,4
9,9
Rückenstück Huhn
0,48
0,4
60,7
12,6
24,4
Rinderknochenmehl
30,6
11,3



Dicalcium
29,4
23




Ob diese Mengen an Kalzium, die eben nur zu einem kleineren Teil verfügbar sind, ausreichen, um eine Barf- Ration ausreichend zu balancieren, muss sich jeder Hundehalter selbst überlegen.


Mein Tip:

 

Ist der Anteil der proteinreichen Bestandteile gleich oder größer als der Kohlenhydratanteil , sollte Kalziumcarbonat zugefügt werden.

 

Ein Kalzium- und Phosphor- Ergänzungsfutter ist nötig, wenn der proteinhaltige Teil kleiner ist als der Kohlenhydratanteil.

In Studien wurde nachgewiesen, dass einige Kalziumpräperate (z.B. Knochenmehl, Dolomite, Kalziumcarbonate) auch kontaminiert sein können mit Aluminium, Arsen, Mercury und Cadmium.(Clark, M., 1995).

Es ist auch sicher, dass Kalziumcitrate im Darm die Aufnahme von Aluminium steigern. Whitehead et al. (1997) , erhöhte Citrate in der Nahrung in Ratten erhöhte die Aufnahme von Aluminium im Darm.

Hier einmal eine Überprüfung von Barf- Rationen durch Fachleute

http://www.xund-fuern-hund.at/wp-content/uploads/2012/08/Studie-2013-Hunde-barf.pdf