Barf- shoppen im Internet

Ich simuliere einen Einkauf im Internet. Ich habe einen 25 kg schweren Hund, einen kastrierten Rüden im Alter von 5 Jahren und einen Welpen, Endgewicht ebenfalls 25 kg, die ich nun also barfen bzw. roh ernähren möchte. Da dies ja wohl ein allgemeiner Trend ist, besuche ich also einen Barf- shop im Internet und durchforste das Angebot.

Barfen ist ja so einfach.....

Shop Nummer 1- ein vielversprechender Name mit flottem Zustelldienst

Zunächst einmal schaue ich in die Fütterungsempfehlung, darin steht mein erwachsener Hund benötigt 350g Fleisch pro Tag, Kosten pro Tag 1 Euro

Der Welpe benötigt die gleiche Menge Fleisch, eben nur auf mehr Portionen verteilt.

Und zwar von Anfang an...es gibt keine Unterscheidung nach Wochenalter...!?

 

Ab dem 12. Monat soll der junge Hunde, genau so wie der erwachsene, seine komplette Ration auf einmal bekommen, täglich also nur 1 Fütterung! Und UUUPS:was ist das?

In einer älteren Empfehlung heisst es, der Welpe solle auf keinen Fall Fertigdosen- oder Futter erhalten, darin seien zu viele Nähr- und Zuschlagstoffe, das sei schädlich für den Welpen. In den angebotenen Fleischmischungen sei alles enthalten....bis auf Kalzium. Das braucht der Welpe schon...und zwar nur bis zum 12. Monat. In der neueren Empfehlung lautet es dann aber: Füttern Sie dem Welpen auch unsere Mineral- und Vitaminmischung, da ist auch wichtiges Kalzium drin.

 

In dieser Mischung ist dann enthalten: Vitamin A, D3, E, C, K3, B1, B2, B6B12, Biotin, Folsäure, Kalzium D Pantothensäure, Nikotinsäure, Cholinchlorid,Natrium, Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Jod.

450g dieser Mischung schlagen mit 7 Euro zu Buche. Empfohlen sind15 g je 500g Fleisch. Ich brauche somit 12 g  Mineralien und Vitamine für den Welpen, der erwachsene Hund braucht ja nix, und das kostet dann aufgerundet 19 Cent pro Tag

Kosten laut Auskunft für jeden Hund a 350g Fleisch: 1 Euro!

WARTEN WIR MAL AB....

 

Natürlich legt man sich bei der Mengenempfehlung nicht fest, das kann je nach Hund variieren, mal mehr, mal weniger. Die Fleischmenge dient nur der Orientierung.

 

Weitere interessante Hinweise sind: In der Natur werden nur Fleisch und Innereien gefressen, Haut, Fell und Mageninhalt der Beute wird NICHT gefressen, allen falls als Zeitvertreib benutzt, eben so die Knochen.Man soll aber auf eine Mischung aus Fleisch, Knorpel, Sehnen und Innereien achten.

 

Gut, das mache ich. Also auf zum shoppen.Mein erster Klick geht zu den Angeboten.

Das günstigste Angebot ist Fertig- Barf mit Pflanzenanteil von 15%, kostet für 500g 1,80 Euro! Stand nicht in der Futterempfehlung: 350g Fleischbedarf, Kosten 1 Euro???

Etwas günstigeres kann ich nicht finden auf dieser Seite, also der nächste Klick.

 

Auf zu den Mischungen. Das günstigste Angebot hier:500g 1,55 Euro! Also wieder kein Treffer. Vielleicht bei den Großgebinden...barfen soll doch viel günstiger sein. Das günstigste Angebot hier: nicht ganz 30 kg für 55 Euro, im Schnitt und aufgerundet das Kilo für 1,85 Euro. Diese Menge reicht für 85 Tage und die täglichen Futterkosten betragen 65 Cent. Hinzurechnen muss ich dann nur, das dieser Fleischkoloss 85 Tage gekühlt werden muss. Barfer portionieren dies praktischerweise in Plastikbeuteln und bewahren es im Kühlchrank auf. Gut.. die Tüten kosten 2 Euro und ein moderner AAA+ Eisschrank schlägt mit 5,50 Euro monatlich Stromkosten zu Buche. Das sind abgerundete 19 Cent pro Tag. Voraus gesetzt, ich habe den Platz für eine Truhe oder Gefrierschrank. Auch dieser Platz kostet oftmals Geld, überhaupt in einer Mietswohnung.1 qm im Schnitt 7 Euro monatlich, sind also nochmal monatlich abgerundete 23 Cent.Eine Gefriertruhe gibt es bereits ab 200 Euro, zwar keine Sparsame, was die Energiekosten betrifft, aber egal...

Für den Welpen finde ich ein Komplettangebot: 28 kg inkl. Zusatzfutter, Kosten pro Tag: 1,25 Euro...die Kosten sind um 25 % höher als in der Empfehlung angegeben.Da die Stromkosten des Eisschranks bereits berechnet wurden, fallen diese also nicht mehr an.. Aber mir fehen für 20 Tage die Vitamin und Mineralzusätze....Ich kaufe also für 155 Euro ein und kann die Hunde 80 Tage lang mit ein und derselben Mischung beglücken.Die Futterkosten für beide Hunde sind bei 1,94 Euro täglich zuzüglich der 19 Cent Stromkosten....also 2,13 Euro pro Tag- nur für Fleisch und Mineral (+ Strom) Meine eigene Zeit rechne ich jetzt nicht...Hunde sind schliesslich Familienmitglieder, da zählt man die Stunden nicht,

 

Jetzt fehlen nur noch Gemüse, etc, denn etwas Kohlenhydrate sollten doch wohl sein.

Angaben über Fett- und Proteingehalte finde ich nicht, auch das Mischverhältnis ist offen, ich kann also den Nährwert der Rationen nicht überprüfen. Da hilft mir auch die lieblos einkopierte Tabelle von Nährwerten gerade mal 4 tierischen Proteinquellen nicht weiter. Kg- Verkaufspreise musste ich mir meist selbst errechnen.Ich könnte jetzt natürlich den augenscheinlich vorhandenen Tierarzt kontaktieren, aber dazu habe ich grad keine Lust.


Ich muss also noch täglich pro Hund, wenn man der Empfehlung von 80% Fleisch und 20% Kohlenhydraten folgt, für jeden Hund 100g zusätzliche Kohlenhydrate zufügen.

Kartoffeln, Reis, Karotten, Bohnen, Erbsen, Äpfel, Bananen,...

Was kosten 200g dieser Zutaten....wenn man saisongemäß füttert, können diese Kosten im Cent-Bereich liegen. Viele Selbstfütterer greifen aber auch zu teureren Produkten und es werden auch Öle, Joghurt, Käse, etc gefüttert.Rohe pflanzliche Zugaben kann der Hund aber nicht wirklich aufschliessen. Vieles muss püriert werden oder gegart, gekocht, gedünstet...also ein weiteres Küchenutensil kaufen, einen Stabmixer, Zusätzliche Stromkosten fallen an. Aber ich mache das ja für meine Hunde.


So summiert sich das tägliche Geld fürs Futter schnell auf 3 Euro und mehr. Aber ich liege jetzt schnell im Trend, kann mitreden in den unzähligen Blogs und Netzwerken und beschäftige mich mit Futterplänen, damit es meinen Hunden an nichts mangelt.

Zeitaufwand darf man nicht rechen, obwohl nun die neue Fütterung einen großen Teil meiner sonst freien Zeit in Beschlag nimmt.Ob ich aber mit dieser Fütterung richtig liege, weiss ich nicht. In den Barf-Shops  findet sich kaum Hilfe noch Anleitung. Barfen ist die Zeit der neuen Gurus, Hilfe finde ich in den sozialen Netzwerken.Und das artet immer mehr aus.


Tierärzte haben offensichtlich nur noch den Auftrag, der Futtermittelindustrie die Kunden zuzuspielen Gibt es ein Problem oder ist der Hund krank, ist der erste Weg zum Computer und nicht zum Tierarzt.Barfen und Rohfüttern kann nicht schädlich sein, so heisst es. Ich frage mich langsam, warum nicht auch die Halter dazu übergehen, ihr Fleisch nur noch roh zu essen...?!


Ich verliere langsam die Lust an meinem simulierten Einkauf und den von mir erdachten Hunden.Ich schaue mir die Hunde an, die mich seit Jahren begleiten. Und sie leben von Trockenfutter. Sie sind gesund, die Zähne weisen keine Beläge auf, obwohl sie nicht roh gefüttert werden. Ich füttere meine Hunde glutenfrei, darum haben wir keinen Zahnbelag zu fürchten. Das ist erwiesen und hat sich in meinem täglichen Leben als wahr erwiesen. Es gibt nichts, was ich verbessern könnte. Meine Hunde riechen nicht, der Output ist gut, sie haben keine Fellprobleme, keine Gelenkprobleme, keine Allergien.Sie sind auch mit ihrem Futter gut versorgt, die Menge ist gering und sie jankern nicht nach mehr Futter, wie man es sonst bei vielen gebarften Hunden im Internet beklagt. Warum das so ist? Die Nährstoffe, die sie brauchen, sind gedeckt. Zum Tierarzt gehen wir nur zum impfen. Durch Fütterung bedingte Probleme haben wir nicht.

Natürlich bekommen auch meine Lieblinge manchmal ein Stück Apfel, eine übrig gebliebene Kartoffel vom Mittagessen oder sie lecken den Joghurtbecher aus.

Warum also sollte ich meine Zeit damit verbringen, einem Trend zu folgen.


Ich geniesse die freie Zeit lieber mit der Familie und den Hunden.Ich bin froh, dass keine rohen Rinderohren mit Fell auf meinem Sofa liegen, dass ich keine Bullenhoden auftauen muss, dass ich keine ausgeschnittenen Rindermäuler in meiner Wohnung finde.Meine Küche gleicht nicht Frankensteins Gruselkabinett der Leichenteile. 


Aber mit Interesse verfolgen wir die weitere Entwicklung. Tatsächlich nehmen die gesundheitlichen Probleme seit der Barf- Bewegung zu. 



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