Barf- ungeeignet bei geschwächtem Immunsystem und....

Es ist ungemein wichtig, mal ein wenig Lichts ins Dunkle zu bringen. Immer wieder hört und liest man, die Rohfütterung sei eine Art Allheilmittel für die verschiedensten Probleme. Man empfiehlt sogar Hunde von Welpenalter an zu barfen. Immer wieder stellen die Hundebesitzer dann später fest, das der Hund später zierlicher aufgewchsen ist als Wurfgeschwister, die mit einem kommerziellen Futter großgezogen wurden. Dies wurde dann schon mal damit erklärt, dass der Hund durch die "natürliche Ernährung" seine wahre genetische Größe erreicht hätte, kommerzielles Futter würde zu einem unnatürlichem Großwuchs führen...

Aber gerade bei Hunden, wie etwa Hunden mit Nieren- und Leberproblem, aber auch epileptischen Hunden, deren Immunsystem oft ebenfalls angegriffen ist, sollte man mehrere Faktoren erwägen.

 

Die meisten Barfer schwören auf ihre Art der Fütterung und in den Diskussionen, welche Fütterung die bestes sei, Roh, Hausgekocht oder Fertigfutter, fehlt es den Diskussionen an Substanz, es überwiegt schlichtweg die Leidenschaft an einer Ideologie. Manche Rohfütterer sind dabei derart leidenschaftlich, dass es ihnen entgeht, das Hunde mit gesundheitlichen Probleme ganz besondere Handicaps und somit auch ganz besondere Ansprüche haben. Jeder Hund ist individuell- eine pauschale Empfehlung zu geben, nur Rohfutter sei das Beste, kann schon fahrlässig sein.

 

Welpen, die gebarft werden, sind oft kleiner als Wurfgeschwister, die mit kommerziellem Futter aufgezogen wurden. Und das hat natürlich nichts mit einer genetischen Größe zu tun.

In einer Studie wurden junge Ratten mit verschiedenen Diäten gefüttert: Eine Basisdiät mit 7% Fett, eine Diät mit einem Fettgehalt von 20% durch Rindertalg und weitere Diäten mit Leinsamenöl, weitere Diäten mit pflanzlichen Ölen. Das Ergebnis mag erklären, warum gebarfte Welpen kleiner sind: Rindertalg enthält viele gesättigte Fettsäuren, die die Verdaulichkeit herabsetzen und einen nachteiligen Effekt auf das Knochenwachstum haben.

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21725629

 

Man weiß sogar, dass eine ketogene Diät (entspricht Barf/ Rohfütterung mit viel Protein und wenig bis keinen Kohlenhydraten aus Getreide) bei Kindern mit Epilepsie und bei Ratten zu einem reduziertem Wachstum und weicheren Knochen führt. In einer weiteren Studie wurden fettreiche Diäten mit einer Chow- Diät (Chow Diät ist eine nach wissenschaftlichen Masstäben optimale Diät mit Getreideanteilen usw.) verglichen.

Es gab insgesamt 3 Diät Varianten: Eine Diät basierend auf Rindertalg (Rohfett 50 - 75%, Rohprotein 10 - 35 %), eine Chow- Diät und eine fettreiche Diät mit Kohlenhydraten).

In allen fettreichen Varianten war die Verdaulichkeit des Kalzium um bis zu 30 % reduziert! Die Verdaulichkeit von Phosphor hingegen war erhöht in den fettreichen Diäten. Dadurch wurde das Kalzium- Phosphor Verhältnis auf bis zu unter 1:1 beeinflusst. Eine fettreiche Diät hat Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel!

Aus diesem Grund sollte auch ein nierenkranker Hund ausreichend Kohlenhydrate z.B. als weissen Reis, erhalten.

 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24985005

 

 

Epileptiker- Hunde z.B. haben meist auch besondere genetische Veränderungen und verstoffwechseln Futter ganz anders als normale Hunde. Mitunter kommen bei ihnen noch weitere Umstände hinzu, wie z.B. autoimmune Erkrankungen. Das Immunsystem arbeitet bei ihnen nicht so, wie bei normalen Hunden und Rohfutter ist oft bakteriell belastet.

Die Leber ist das Organ, dass die Kontaminationen im Stoffwechsel filtert und wenn Epi- Hunde mit Phenobarbital behandelt werden, dann muss die Leber täglich das Hepatoxin verarbeiten. Rohfutter und Leberfehlfunktion passen einfach nicht zusammen.

 

Hunde mit schlecht arbeitender Leber vertragen oft nicht viel Protein. Dabei ist die Art des aufgenommenen Proteins entscheidend. Während die aromatischen Aminosäuren wie etwa Phenylalanin, Thyrosin und Tryptophan in diesen Fällen schlecht sind, sind die verzweigt kettigen Aminosäuren die Besseren für Hunde mit Leberfehlfunktion. Fleisch, und insbesondere rotes Fleisch ist reich an aromatischen Aminosäuren, während Milchprodukte eher verzweigt kettige Aminosäuren enthalten. Aus diesem Grund besteht die Diät für Leberkranke Hunde eher aus den verzweigt kettigen Aminosäuren.

Außerdem ist zu bedenken, dass Hunde mit Leberschäden anfälliger für Infektionen sind, im speziellen für Infektionen durch die aufgenommene Nahrung.

 

Aus diesem Grund sollte ein Hund mit Leberproblemen nicht roh gefüttert werden.

 

Das Fleisch der wilden Carnivoren unterscheidet sich auch von dem Fleisch, das die Rohfütterer beziehen. Dieses heutige Fleisch, egal ob nun bio oder nicht, ist des Prozess im Schlachthaus durchlaufen. Die meisten Bakterien finden sich an diesen  Orten und dort befinden sich dann auch die Infektionsquellen. Natürlich herrschen dort strenge Hygienevorschriften, trotzdem ist dieses Fleisch der Gefahr ausgesetzt und oft genug auch im Schlachthaus kontaminiert worden. Nicht ohne Grund lautet die Empfehlung immer wieder, das Fleisch zu garen. Insbesondere bei Geflügelfleisch gilt es, die Küche, die Arbeitsflächen, den Kühlschrank und die Hände sowieso nach Kontakt mit rohem Geflügelfleisch gut zu reinigen.

Diese Empfehlung gilt auch für den Umgang mit Rohfutter für das Haustier. Man sagt immer, der Hund geht anders mit der bakteriellen Belastung und der Belastung des Fleisches mit pathogenen Keimen um. Trotzdem besteht in Haushalten eine erhöhte Gefahr insbesondere für sehr junge und ältere Personen mit geschwächtem Immunsystem. Aber auch be roh gefütterten Hunden wurde eine Zunahme an Krankheiten wie etwa IBD , Verdauungsproblemen und immunbezogenen Erschöpfungszuständen festgestellt.

Rohes Fleisch kann belastet sein mit Salmonellen, E- Coli, Parasiten, usw. die nicht immer durch das Kühlen, Tiefkühlen oder Gefriertrocknen abgetötet werden, letztlich ist nur das Erhitzen des Fleisches eine sichere Methode.

Eine weitere Gefahr des rohen Fleisches sind Campylobacter Bakterien, die zu einer Lebensmittelvergiftung führen können. Diese Bakterien findet man häufig in rohem Fleisch, speziell Geflügel, in Rohmilch und mitunter auch in kontaminiertem Wasser. Ein gesunder Körper vermag diese Bakterien vielleicht noch zu händeln, aber sobald der Stoffwechsel angegriffen ist, kann Campylobacter zu anhaltenden Durchfällen, Erbrechen, sogar zu Harnwegsinfektionen, Menengitis oder zum Tode führen. Probleme durch Campylobacter machen sich in der Regel innerhalb 10 Tagen bemerkbar.

 

Nicht zu unterschätzen ist auch E.- Coli Dies untersuchte man bei Greyhounds, die mit rohem Fleisch, und nicht unbedingt in der besten Qualität, gefüttert wurden. Diese Hunde hatten diverse gesundheitliche Probleme, die bei den Greys, die das gleiche Fleisch, eben nur gekocht, erhielten, nicht auftraten.

 

Epileptische Hunde erhalten Medikamente, die selbst schon erhebliche Nebenwirkungen, wie etwa die Entwicklung einer Pankreatitis, mit sich bringen. Ene Rohfütterung kann dann fatal sein.

 

Man verzeichne bereits einen signifikanten Anstieg an Krankheiten roh gefütterter Hunde, wie etwa Pankreatitis, Nieren-, Herz- und Gehirnerkrankungen nach langandauernder Rohfütterung. Oft genug tritt die Erkrankung plötzlich und unerwartet auf ohne Vorzeichen und oft genug stirbt das Tier. So zum Beispiel bei Pankreatitis oder bei der Fütterung von Geflügelhälsen die Magen- und Darmtrakt verletzen können.

Mit der gestiegenen Anzahl roh gefütterter Hunde steigen auch die Zahlen an Erkrankungen wie etwa Pankreatitis, Magengeschwüren, Mangelernährung durch fehlende Nährstoffe, Verletzungen durch rohe Knochen, bakterielle Vergiftungen, u.a.

 

Mittlerweile werden auch Komplettbarf- Rationen im Handel angeboten. Sie werden als ausgewogene Rohnahrung ausgelobt und suggerieren, der Hund würde alle Nährstoffe mit dieser Mahlzeit erhalten. Tatsächlich enthielten einige dieser Rationen jedoch gefährliche Mengen an Vitamin A und D, zusätzlich zu den massenhaften Bakterien, die diese Fertigpacks enthielten. Interessanterweise war dies bei einem Vertreiber von Komplettbarf der Fall, der eben genau den Beweis gegen die Bedenklichkeit der Fertigbarf- Menüs antreten wollte.

 

Viele Fertig Barf Menüs sind fein gewolft oder gewolft. Das an sich ist ja schon ein Widerspruch zur natürlichen Fütterung und dieses Wolfen macht man auch nicht dem Hund zum Gefallen, es ist bereits eine Art der Denaturierung, die doch eigentlich verpönt ist in der "natürlichen" Fütterung,...und eigentlich ist es in vielen Fällen auch kein Wolfen, bei dem Fleischstücke zerkleinert werden. Die fein zerkleinerte Struktur der Fleischhaltigen Masse entstammt dem Produktionsprozess eines Separators. Eine Maschine, die mit Dratbürsten Gewebereste von Knochen und Karkassen kratzt, die Karkassen zerkleinert und durch Metallfilter presst, mitunter auch mit Wasserdampf. Dieses Separatorenfleisch gilt als minderwertig, es enthält zwar Muskelfleischreste, aber auch Bindegewebe, Knochenenteile usw. Diese Mischungen werden nicht immer als Seperatorenfleisch (meist in den Fussnoten) gekennzeichnet), Hinweise aber geben auch die angegebenen Fettgehalte, denn Knochen sind fettreich.Oder wer kennt ein Muskelfleisch vom Rind, welches 20-25 % Fett enthält?

Seperatorenfleisch ähnelt Hackfleisch und ist genau so anfällig für Mikroorganismen, die dann wiederum Toxine ausscheiden, die die Leber und die Niere des Hundes belasten können.

 

Wie auch immer, Barf ist nicht ausgewogen, entweder gibt es Mängel oder Überversorgungen, die auf lange Sicht zu Problemen führen. Auch die bakterielle Gefahr, die von Rohfutter ist enorm hoch und die Aussage, der Hund würde anders mit Bakterien umgehen, würde wohl eher nicht bewiesen werden können, dafür gibt es einfach zu viele Fälle, in denen ein roh gefütterter Hund erkrankt.

 

 

Folgende Daten sind ebenfalls interessant:

 

Roh gefütterte Hunde haben meist

- einen höheren Hematokritwert

- einen höheren BUN- Wert

- mitunter auch erhöhte Kreatininwerte

 

BUN, Blut Urea Nitrogen:

Wenn die Leber Protein verstoffwechselt, entsteht das Abfallprodukt Urea. Dieses verlässt über das Blut die Leber und gelangt in die Nieren gemeinsam mit anderen Stoffwechselabfällen und Wasser und wird dann mit dem Urin ausgeschieden. Nitrogen im Blut entsteht durch das Urea. Wenn also das Urea Nitrogen im Blut erhöht ist, weist es darauf hin, das Nährstoffe nicht komplett verstoffwechselt wurden oder das die Nieren nicht ordnungsgemäß arbeiten. Ist dann auch der Kreatininwert erhöht, sollte man sein Augenmerk auf die Nieren richten.

 

Kreatinin:

Kreatinin entsteht als Abfallprodukt, wenn Kreatin verstoffwechselt wurde und Kreatin entsteht, wenn Nahrung verstoffwechselt und in Energie umgewandelt wird. Kreatinine werden über das Blut zur Niere befördert und dort ausgeschieden. Sind die Nieren geschädigt, dann sinkt der Kreatiningehlt im Urin, steigt dafür aber im Blut an.

 

Aus diesem Grund sind die beiden oben genannen Werte geeignet, auf eine Nierenfehlfunktion hinzuweisen, meist in einem BUN- Kreatininverhältnis. Ein erhöhtes Verhältnis findet man bei der sog, Albuminurie oder auch Proteinurie. Es bedeutet, dass sich zu viel Protein im Urin befindet. Dies kommt vor bei proteinreicher Kost oder bei einer Nierenfehlfunktion. Albuminurie kann zu Nierenschaden führen.

 

Aus diesem Grund ist Rohfutter auch nicht geeignet für Hunde, die

- Leberprobleme

- Nierenprobleme

- Verdauungstraktprobleme

 

haben. Durch erhitzen aufgeschlossene Proteine sind leichter verdaulich und entlasten den überforderten Stoffwechsel.

 

 

https://www.vetinfo.com/drawmeat.html

http://www.provet.co.uk/petfacts/healthtips/meat.htm

http://www.wdcusick.com/raw.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21725629

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24985005