Eiweiße/ Proteine...welche und wieviel

Der Proteinbedarf der Hunde ist ein wichtiges und oft mißverstandener Aspekt in der Tierernährung."Du bist was Du isst" , diesen Ausspruch haben wir wohl alle schon gehört und es ist auch Wahres daran.

 

Jeder verantwortungsvolle Hundehalter den ich kenne hat Angst davor, seinem Hund proteinreiches Futter zu geben. Bemerkenswert daran ist auch, daß sich die Hundehalter trotzdem nicht einig werden können, welche Ernährung denn nun die Beste ist. Zuviele Gerüchte und Halbwahrheiten gibt es um das Eine, daß wir Protein nennen.

 

Um das klären zu können, sollte man sich zunächst mit der Rolle des Proteins in der Ernährung des Hundes beschäftigen.

 

Hunde können aus Nahrung sowohl pflanzlichen als auch tierischen Ursprungs aufnehmen, solang sie vielfältig und ausgewogen ist. Aber Hunde sollen nicht eben so zurecht kömmen mit dem Futter, sondern sie sollen auch überleben und leben. Aus diesem Grunde brauchen sie tierisches Protein: Fleisch!

 

Die Natur hat die Regeln für die Biochemie und Ernährung aufgestellt und zum Glück hat der Mensch dabei nur sehr wenig Mitspracherechte. Aus diesem Grunde gibt es kaum brauchbare Katzenfutter auf vegetarischer Basis da die Katzen hier noch weitaus höhere Ansprüche stellen als ein Hund.

 

 

Jeden Tag sieht man Hunde, die dank der Fehl- Ernährung nicht wirklich leben: Übergewicht, Hautprobleme, schuppiges, glanzloses Fell, Hunde mit wenig Energie und wenig Abwehrkräften. 95% dieser Hunde werden mit einem Futter ernährt, das wenig tierisches Gewebe, dafür aber um so mehr Getreide enthält. Es ist billig.

 

Hunde brauchen Fleisch! Damit leben Hunde auf. Wobei eine rein fleischliche Ernährung auch ihre Schattenseiten hat. Hunde können auchGetreide wie etwa Mais,Hafer,Gerste oder auch Weizen fressen und im Darm verarbeiten. Aber Getreide liefern überwiegend Kohlenhydrate und meist nur eine begrenzte Anzahl an Aminosäuren. Wenn dann die Kohlenhydratzufuhr über dem Bedarf des jeweiligen Hundes liegt, löst dass eine Enzymreaktion im Körper aus, die das Zuviel an Kohlenhydraten in Fett umwandelt und dies dann als Körperfett einlagert.

Und das geschieht oft bei Hunden, die mit Futter auf Getreidebasis ernährt werden.

Gibt man nun aber dem Hund extra Proteine, dann wird dieses Fett durch die Nieren wieder ausgeschieden und nicht als Körperfett eingelagert.

Und mit diesem Wissen fällt es nun auch leicht, die Frage zu beantworten, welches Futter besser geeignet ist für eine Diät: Auf Getreidebasis oder auf Proteinbasis?

 

Und jetzt kommt das große Argument vieler Hundehalter: Zu viel Protein, Leberschaden! Aber wer hat denn diese Behauptung aufgestellt? Die Studie, die damals zu diesem Ergebnis kam und auf die sich viele berufen, wurde damals nicht mit Hunden durchgeführt.Sie wurde durchgeführt an Ratten, denen man unnatürliches Futter reichte, dieses Futter war sehr proteinreich. Die Ratten hatten Probleme mit dem überschüssigen Protein, denn sie sind Pflanzenfresser-nicht Fleischfresser.

Hunde aber sind in der Lage, Futter mit einem Proteingehalt über 30% in der Trockenmasse zu verstoffwechseln. Der analytische Wert, der auf Hundefutterprodukten ausgewiesen wird, ist nicht der Trockenmassewert.

 

Die Trockenmasse errechnet man so:

Wenn das Dosenfutter einen Feuchtigkeitsgehalt von 75% hat, ist die Trockenmasse 25%. Jetzt wird der angegebene Analysewert, nämlich 10 durch 25 (Trockenmasse geteilt und dann mit 100 multipliziert. Das ergibt dann einen Proteingehalt in der Trockenmasse von 40%! 

 

Hunde sind Fleischfresser- die Natur hat sie so gemacht. Ratten sind Pflanzenfresser! Man hat aber einfach die Ergebnisse der Ratten- Studie auf den Hund übertragen und so wurde die Mär geboren: Ein Zuviel an Protein würde bei Hunden die Nieren schädigen. Und wie es im Leben ist: Diese falsche Interpretation entwickelte ein Eigenleben und verbreitete sich flugs unter den Hundehaltern.

 

Einen tatsächlichen Beweis für diese falsche Behauptung gibt es nicht. Heute ist die Forschung voran geschritten. Im Gegenzug gibt es aber heute Referenzen, die darstellen, daß die Proteinmenge keinen Einfluß hat auf die Entwicklung von Nierenschäden oder gar eine Nieren- schützende Wirkung hat. (z.B. Kiks Veterinär Therapie XIII,Kleintierpraxis, Seite 861), verfasst von Finco,Brown, Barsanti und Bartges)

 

Sie stellten fest, sobald der BUN- Wert (Blut Urea Nitrogen) 75 erreicht, was dann sehr hoch ist, eine Senkung des Proteingehaltes in der Nahrung keinen Einfluss auf die Nierenfunktionen hat. Vielmehr sehen sie einen starken Hinweis, daß der Phosphorgehalt im Blut eine häuptsächliche Rolle in einer unnormalen Nierenfunktion übernimmt. Außerdem liefert eine proteinarme Fütterung dem Hund nicht die Nährstoffe, die er tatsächlich benötigt.

Eine weitere Expertenmeinung ist: Hunde können eine erhebliche Menge an Proteinen zu sich nehmen, insbesondere tierische Proteine!

Das ist die Aussage von Prof.Dominique Grandjean DVM,Ph. D. Fouth Annual International Sied Dog Veterinary Medical Ass. Symposium (S. 53,Jahrg. 1997 Proceedings). Genau so wurde seit über 30 Jahren bis zum heutigen Tage die Forschung von Dr. David S. Kronfeld ignoriert (und die von vielen anderen), daß der Hund aufgrund seiner Evolutionsgeschichte hohe Mengen an tierischen Proteinen für seine Ernährung benötigt.

Hundefutter mit einem normalen Proteingehalt helfen dem Hund weitaus besser, seinen Energiebedarf zu decken und die Körperfunktionen aufrecht zu halten.

 

Es gibt bis heute keinen Nachweis dafür, daß eine proteinarme Fütterung für einen Hund mit Nierenproblemen hilfreich ist. Eine proteinarme Fütterung kann sogar den Nierenplasmafluß beeinträchtigen und für chemische Imbalancen im Körper sorgen.

22 Aminosäuren haben ihre Funktionen im Körper des Hundes, 10 davon müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Die übrigen 12 Aminosäuren werden von der Leber im Körper selbst gebildet. Getreide aber sind eine Quelle für Kohlenhydrate und die liefern "schnelle" Energie. Tierisches Gewebe als Futter ist leichter verdaulich und liefern weitaus mehr Aminosäuren, als es das Getreide vermag.

Fleisch und Nebenprodukte wie etwa Blut und Organe sind hochwertige Proteinquellen für den Hund.

 

Forschungen haben gezeigt, daß Hunde sehr wohl Futter mit einem Proteingehalt von über 30% in der Trockenmasse verarbeiten können. Trockenmasse bedeutet, daß das Futter kein Wasser mehr enthält. Hundetrockenfutter hat einen Feuchtigkeisgehalt von etwa 10%,Dosenfutter etwa 74%.

Würden Hunde sich frei lebend ernähren, wäre der Proteingehalt der Nahrung wesentlich höher, als er im handelsüblichen Hundefutter enthalten ist.... oder hat jemand schon mal einen Hund äsend in einem Kornfeld entdeckt?

 

Hohe Proteingaben im Futter schaden dem normal gesunden Hund in keiner Weise! Aber was ist mit den alten Hunden, die möglicherweise aufgrund des fortgeschrittenenen Alters Nierenprobleme haben?

Diese Hunde profitieren von leicht verdaulichen und qulitätsvollen Proteinquellen wie etwa Ei, Geflügel und anderem Fleisch. Es gibt sogar einige wenige Studien, die aussagen, daß ein Hund im fortgeschrittenenen Alter noch mehr qualitätsreiche Proteine benötigt als ein Hund im mittleren Alter.

 

Fakt ist: Hohe Proteingehalte schaden nicht den Nieren des Hundes!

 

Ein gutes Hundetrockenfutter sollte darum immer als ersten Bestandteil Fleisch (aber auch Ei, Fisch und tierische Nebenprodukte) enthalten Auf Getreide sollte, verzichtet werden (Link). Durchaus wünschenswerte Futterbestandteile sind auch Früchte, Gemüse, Nüss, Samen und Leguminosen.

Sie reichern das Futter mit Fasern und Nährstoffen an, ohne den Stoffwechsel des Hundes negativ zu beeinflussen.

Schilddrüse und Protein

Im Moment scheint es gerade "schick" zu sein, dem Hund Protein reiche Nahrung zu bieten - auch als Trockenfutter, und gleichzeitig den Anteil an Kohlenhydraten zu senken.

Grundsätzlich kann der Hund damit umgehen: Proteine werden nicht im Körper gespeichert, sie werden einfach ausgepinkelt.

 

.....aber......

 

Protein reiche Nahrung mit wenig Kohlenhydraten erfordert mehr Schilddrüsenhormon!

 

Das neuerdings immer mehr Schilddrüsenerkrankungen beim Hund festgestellt werden ist eng verbunden mit dem Trend, dem Hund Protein reiche Nahrung zu bieten, sei es als Frischfutter oder als Trockenfutter. Sobald der Hundehalter bemerkt, dass der Hund bei dieser Protein reichen Nahrung Fett abbaut, dann hängt dies auch mit den Schilddrüsenhormonen zusammen. Nach gewisser Zeit wird man dann Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion beim Hund bemerken.

 

Der Körper braucht Insulin, um T4 Hormone in T3 Hormone umzuwandeln. Und bei einer Protein reichen aber Kohlenhydrat armen Ernährung wird nicht genug Insulin produziert.

 

Ein weiteres Hormon kann bei einer Kohlenhydrat armen Ernährung aus der Balance geraten: Kortisol!

 

Für die wirklich allermeisten Hunde, also Begleithunde, Haushunde und Sofasitzer sollte stets ein Futter mit adäquatem Proteingehalt gewählt werden. Das schont den Stoffwechsel und die Organe. Und wozu sollte man auch so viele Proteine in den Hund reinfüttern, wenn diese ohnehin, wenn sie den Bedarf übersteigen, ausgepinkelt werden.

 

Hormonelle Imbalancen sind auch für den Hund unangenehm, eine durch Protein reiche Fütterung notwendige Supplementierung mit Schilddrüsenhormonen kann man vermeiden.

Gerade den Hundehaltern mit älteren und alten Hunden wird empfohlen, ein Futter mit niedrigerem Proteingehalt zu füttern. Aber genau DAS ist widersprüchlich zu den neuesten Erkenntnissen. Ältere Hunde benötigen sogar etwas mehr Proteingehalt in der Nahrung als ein Hund mittleren Alters.

Ein Team des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) um Professor Susanne Klaus hat am Mausmodell hat festgestellt, dass ein höherer Proteingehalt zu einer vermehrten Wasseraufnahme führt.

Zudem verhindert eine eiweißreiche Kost die Fettneubildung in der Leber entgegen (Amino Acids 2012; online 31. Juli).

Hinweise auf einen eiweißbedingten höheren Energiebedarf des Stoffwechsels fanden die Wissenschaftler nicht.

Der Protein- und Fettbedarf in Zahlen

Der Proteinbedarf des Hundes ermisst sich nach seiner Entwicklungsstufe. Ein Welpe hat einen höheren Bedarf als ein erwachsener Hund.

In Europa gelten für den Protein und Fettbedarf des Hundes folgende Richtwerte:

 

Gramm Protein pro 1000 kcal   (Gramm Fett pro 1000 kcal)

 

NRC 2006 Höchstgehalt Fett der noch als sicher gilt) bei Fett 82,5 g/ 1000 kcal

 

Erwachsener Hund 45 g/ 1000 kcal Protein (13,8 g Fett/ 1000 kcal)

Welpe 62,5 g Protein / 1000 kcal (21,25 g Fett/ 1000 kcal)

Junghund 50 g Protein / 1000 kcal (21,25 g Fett/ 1000 kcal)

 

Interessant für Barfer:

Rindfleisch (70% mager, 30% Fett) liefert liefert 43 g Protein / 1000 kcal und 91 g Fett / 1000 kcal. Das ist zu fett und hat zu wenig Protein.

Selbst wenn man 10% Leber und 20 % Gemüse zusetzt, ist der Fettgehalt noch immer zu hoch und das Protein ziemlich knapp für einen Welpen.