Barfen bis der Arzt kommt

Rohfütterung ist ein heisses Thema, auch unter Tierärzten. Schlittenhunde und Rennhunde wurden schon seit ewigen Zeiten roh gefüttert, aber jetzt, nach vielen Berichten im Internet , in der Presse und auch Promotion durch "Fachbücher" haben sich viele Hundehalter dazu entschieden roh zu füttern.


Dass Hunde und Katzen bereits an Salmonellen verendet sind, hat der ein oder andere sicher schon gehört. Tatsächlich können roh gefütterte Tiere daran sterben.

Das Risiko beginnt jedoch schon im Haushalt des Tierhalters und den darin befindlichen Personen selbst. Das bedeutet nicht, dass es bei ihnen unhygienisch sein muss, aber kennen sie wirklich die Qualität der Rohkost, wenn sie diese im Internet bestellen? Ein Kreuz- Kontamination von Personen durch Haushaltsgegenstände ist jedenfalls möglich.

Es wird damit geworben, dass rohes Fleisch leichter verdaulich sei, weil es Enzyme enthält, die durch das Kochen verloren gehen. Aber welche Enzyme sind das?

Was ist der Ursprung? Dies hat man jetzt überprüft.

Die Verdaulichkeit von rohem Fleisch wird durch das Kochen tatsächlich verbessert. Das Kollagen im Fleisch collagiert ab einer Temperatur von 80° in eine Art Gelantine. Rohmahlzeiten die  Pflanzenteile enthalten, werden ebenfalls durch kochen wesentlich verdaulicher. Durch das Kochen wird sie Zellstruktur geknackt, es macht die Zellulose weicher, reduziert die makrozellulare Struktur der Zutaten und denaturiert Toxine und Stoffe, die die Verdaulichkeit herabsetzen.

 

Lies dazu auch das Thema: Sodbrennen beim Hund

Rohmahlzeiten sollte mit Vitaminen und Mineralien versetzt werden. Spätestens seit Freeman und Michel (JAVMA 2001,218(5):705-709) demonstriert haben, dass alle Frischmahlzeiten (Barf), die überprüft wurden, Nährstoffmängel aufwiesen und dies kann nach langanhaltender Fütterung zu ernsthaften, gesundheitlichen Problemen führen.

Die meisten Imbalancen zeigten sich beim Kalzium, Phosphor, essentiellen Fettsäuren, Spurenmineralien und Vitaminen.

Herz als Futter enthält sehr viel Eisen und Kupfer. Wird es ständig gefüttert, sorg Kupfer als Antagonist für einen Zinkmangel. Huhn ist übrigens zinkarm.

Zu einer Hypervitaminose des Vitamin A kommt es, wenn zu viel Leber gefüttert wird.

Es wird auch behauptet, durch den Knochenanteil würde die Kalziumversorgung sicher gestellt. Aber große Knochenstücke sind extrem schwer verdaulich und sind ausserdem auch gefährlich. Zahnschäden und gastointestinale Trauma drohen.

Rohes Fleisch birgt Risiken, auch wenn Hundehalter gerne sagen, die Rohfütterung täte ihrem Hund gut. Die infektiösen Organismen, die dem rohen Fleisch inne wohnen können, sollte man kennen. Auf jeden Fall sollte im Umgang mit rohem Fleisch höchste Hygiene walten, um eine Kreuz- Kontamination von Menschen zu vermeiden.

Die potentiellen, gefährlichen Organismen

Salmonella spp.

Häufig vorkommend in rohem Fleisch, eine Salmonelleninfektion bei Hunden ist gar nicht so selten, hat zoonotisches Potential wenn die Hygiene ignoriert wird, Hunde können subklinische Träger werden.

 

E. coli

Nachgewiesen in Hundekot, dokumentierte Krankenfälle bei Greyhounds, die roh gefüttert wurden.

 

Yersinia enterocolitica

89% des kommerziell erhältlichen Fleisches sind damit infiziert. Übertragung von Hund zu Mensch ist möglich

 

LIsteria monocytogenes

Abort bei Hunden durch L. nachgewiesen

 

Clostridium perfringens

Häufiger Ausköser für Enteritis (Darmentzündung) beim Hund.

Doc Futter Beta Glucan ist in einem solchen Fall eine hilfreiche Ergänzung zum Futter

 

Clostridium botulinum

Kann vorkommen in Speck und wird gefährlich für den Hund wenn der Speck nicht gekocht wurde

 

Staphylococcus aureus und Bacillus aureus

Kann Toxine im inkubiertem Feuchtfutter bilden

 

Francisella tularensis

endemisch bei Kaninchen

 

Mycobacterium bovis und tubercuöosis

infiziertes Fleisch aus infizierten Wildbeständen (Natur)

 

Burholderia pseudomallei

manches Pferdefleisch

 

Pseudorabies (Augeszkys)

nachgewiesen bei Hunden denen die Lunge infizierter Schweine gefüttert wurde  

 

Diphyllobotrium latum, Opisthorchis tenuicollies, Dioctophyme renale, Nanophyetus salmincola

Futterparasiten beim Fisch

 

Toxoplasma gondil

vom Schwein, kann Hunde infizieren

 

Fortsetzung folgt

 

 

 

Grundsätzlich halte ich die Entscheidung " zurück zu natürlicherem Futter " als äußerst positiv. Dies bedeutet aber nicht, dass die Rohfütterung mal eben so zusammen gestellt werden kann, zumal man sicher nicht auf die Erkenntnisse der jüngsten Wissenschaft verzichten will. Auch die wildlebenden Tiere leiden z.T. an Mangelernährung, infizieren sich und/oder werden krank. Die bislang bei uns in Deutschland untersuchten Wolfskadaver zeigten, dass es eben nicht starke, muskulöse Räuber sind, sondern einfach nur Unfallopfer mit gesundheitlichen Defiziten.


Mikro- und Makronährstoffe sollten auf gar keinen Fall beim selbst zusammenstellen des Futters vergessen werden. Mängel zeigen sich oft erst nach längerer Zeit, mitunter dann aber als irreparable Schäden.


In einer deutschen Großstadt hat man bereits damit begonnen, die sog. Barf- Shops strenger zu kontrollieren. Von Innereinen und rohem Fleisch geht einfach eine Grundgefahr aus, die man nicht unterschätzen sollte. Auch bei Rohkost für den Hund sollte die Kühlkette nicht unterbrochen werden, die Herkunft der Ware sollte aus ordnungsgemäßen Quellen sein.