Winterfütterung der Pferde...

 

Jetzt stehen wieder die kalten Tage an, die Tage werden nicht nur bedeutend kürzer, auch die Temperaturen lassen uns bereits jetzt mit Schaudern an die notwendigen Stallarbeiten denken. Doch neben der Sorge um eingefrorene Wasserleitungen und Tränkebecken ist auch die Frage nach der richtigen Fütterung jedes Jahr von neuem ein beliebtes Thema.

 

 

 

 

 

Ohne Zweifel ist die Palette der möglichen Futtermittel, Futter-möglichkeiten und diversen Her-stellern ebenfalls ein Umstand, der den Pferdefreund zur Verzweiflung bringen kann.
Hier wollen wir jetzt mal ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und vielleicht den ein oder anderen Gedanken zur verantwortungsvollen Fütterung beitragen.

 

Zunächst einmal müssen wir tatsächlich feststellen, das es darum geht ein Pferd zu ernähren, und nicht etwa einen Menschen. Das wichtigste Merkmal hierbei ist, dass das Pferd weniger appetitbezogen, sondern schlichtweg bedarfs-bezogen frisst- jedenfalls würde es das- wenn man es ließe.
All zu oft jedoch projiziert der Mensch seine eigenen Wünsche und Erwartungen zum Thema Ernährung ohne Umschweife auf sein Pferd- das letztlich die Konsequenzen dafür tragen muss.
Hauptnahrungsmittel bleibt für das Pferd die Pflanzenfaser. Millionen Jahre lang hat sich der Verdauungsapparat der Pferde dafür eingerichtet, das sollten wir im Zeitalter des Überflusses an Getreide nicht unbedingt ändern wollen.

 

Der Magen des Pferdes ist relativ klein, etwa ein Zehntel des Magens einer Kuh und er produziert fortwährend Magensäure, um auf-genommenen Pflanzenfasern anzudauen und die enthaltenen Nährstoffe lösbar zu machen. Der lange nachfolgende Darm entzieht dem Nahrungsbrei alle wichtigen Nährstoffe. Genau genommen können Pferde beides gleichzeitig: Fressen und verdauen. Und damit sich der Magen wegen der u n u n t e r b r o c h e n e n Magensäureproduktion nicht selbst verdaut, braucht er ständig zu-geführte Faser.
Somit steht also fest, das artgerechte Fütterung eine faserreiche Fütterung ist. Dies kann im Winter aus Heu, Heulage, Stroh oder auch Rüben-schnitzeln bestehen, gelegentlich werden auch Obstbaumzweige und Äste, aber auch einige andere Gehölze nicht verschmäht.

 

Der Rohfasergehalt ist sehr unterschiedlich, bei Gras beträgt er etwa 40- 80g /kg, Heu enthält etwa 260 300g /kg und Stroh ist zwar mit 400g /kg am höchsten, das jedoch am hohen Anteil an Lignin, einer unverdaulichen Faser, begründet ist. Der Rohfasergehalt ist entscheidend für die Darmtätigkeit. Ein niedriger Rohfasergehalt wie etwa der des Grases kann ein Auftreten von Kotwasser begünstigen. Ein Phänomen, das von sehr vielen Pferdehaltern beobachtet wird und relativ leicht durch die Zufütterung von etwa Heu oder Rübenschnitzeln wie den unmelassierten Speedi Beets in den Griff zu bekommen ist. Auch das Auftreten von Kotwasser bei Heulagefütterung kann auf den geringeren Gehalt an Rohfaser und das niedrigere Wasseraufnahme-vermögen der Heulagefasern zurück-geführt werden.

 

Am besten sorgt man dafür, dass das Pferd ständig die Möglichkeit zur Raufutteraufnahme hat. Dem entgegen spricht der Wunsch nach einer wirtschaftlichen Fütterung, Pferde neigen dazu, bei zu reichlicher Heugabe dieses zu zertreten, das wäre wahrlich eine Verschwendung.
Abhilfe schaffen z.B. engmaschige Heunetze oder schlichtweg die mehrmalige Fütterung am Tag, aber auch gute Raufen oder ein Rau-futterautomat halten einen solchen Schaden klein.
Das Raufutter sollte von guter Qualität und auf gar keinen Fall schimmelig sein. Da das Raufutter die all-entscheidende Basis ist, sollte man hier besonders kritisch sein. Weder eine zu geringe Raufuttergabe noch schlechte Qualität sollten toleriert werden. Ein schlechtes Grundfutter kann auch nicht durch andere Futtermittel aufgewertet oder ersetzt werden, die gesundheitlichen Folgen für das Pferd wären katastrophal. Immer wieder hört man gerade zum Ende eines Winters, das an der Heugabe wegen einer Fehlkalkulation gespart werden müsse, ein Zustand, der als nicht artgerecht bezeichnet werden muss! Als Faustregel be-rechnet man den gewichtsmäßigen Bedarf eines Pferdes nach seinem Soll- Körpergewicht und seinem Ernährungszustand. Daraus ergibt sich dann eine Empfehlung an Faser in Trockenmasse. Es muss also be-rücksichtigt werden, dass beispielsweise ein Kilo Heu eine höhere Trockenmasse hat als ein Kilo Heu-lage, da diese mehr Feuchtigkeit enthält, ich muss mehr Heulage füttern, um den gleichen Trocken-massegehalt des Heus zu erreichen. Der Einfachheit halber aber beziehen wir uns jetzt auf Heu, um wenigstens einen groben Anhalt zu bieten, letztlich jedoch füttert "das Auge des Herren", denn die Pferde können sich individuell ganz erheblich in ihrer "Futtrigkeit" unterscheiden.

 

Einem übergewichtigen Pferd reicht man 1% des Körpergewichtes, einem Pferd im Idealgewicht 1,5 % des Körper-gewichtes und einem zu dünnem Pferd bis zu 2,5% des Körpergewichtes an Trockenmasse als Faser.
Somit hat man bereits die beste Grundlage für eine artgerechte und vor allem effektive Fütterung, denn je häufiger man füttert, desto effektiver werden alle Nährstoffe verwertet, im Umkehrschluß bedeutet es aber auch, je nachlässiger oder qualitativ schlechter die Grundfütterung ausfällt, desto schlechter die Ernährung des Pferdes und dessen Verwertung der zugeführten Nährstoffe.

 

Die Folgen reichen von Nervosität und Unausgeglichenheit, Holz knabbern und leichten Mangelerscheinungen bis hin zu schwersten Verdauungsstörungen und Magengeschwüren.
Als weitere wichtiger Punkt ist die bedarfsdeckende Fütterung von Mineralien und Vitaminen zu nennen. Pferde können heute nicht mehr frei selektieren und ihre Nährstoffbedürf-nisse selber decken.
Hier hilft
ein gutes Mineral- und Vitaminfutter. Ganz entscheidend ist hierbei die sorgfältige Zusammensetzung der Nährstoffe. Allein die Tatsache, dass ein Nährstoff enthalten sein soll reicht nicht aus, um auch gewiss zu sein, dass dieser "funktioniert". Das wäre ja zu einfach, wenn man einem bestimmten Nährstoff seine Funktion zuweisen könnte und fertig. Nein, es ist doch komplizierter. Jeder Nährstoff hat vielfältige Aufgaben und beeinflusst in der Menge seines Vorhandenseins andere Nährstoffe. Die denkbar ungünstigste Fütterung ist wohl die gut gemeinte, aber völlig fehlschlagende Zufütterung einzelner Vitamine oder Mineralien wegen eines bestimmten Problems. Oft wird hier der Grundstein für das Auftreten völlig unerklärlicher, gesundheitlicher Probleme gelegt.


Als Anhalt für eine gutes Mineral- und Vitaminfutter dienen etwa ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Futterhändler, eine Empfehlung eines anderen Pferdehalters oder schlicht-weg der eigene Versuch. Ein Indiz für die Qualität der verwendeten Rohstoffe kann der Preis sein.
Besonders interessant ist "Cover up", ein Futtermittel mit einem sehr guten Gehalt an Aminosäuren aus Soja und Alfalfa, dementsprechend auch mit einem hohen Gehalt an Rohprotein, einem geringen Gehalt an Getreide und guten Gehalten an Nährstoffen wie Mineralien und Vitaminen. Zusätzlich stimulieren enthaltene Kräuter den Stoffwechsel der Pferde. "Cover up" ist ein extrudiertes Futter, das auch für Pferde mit dentalem Problem gut zu fressen ist, es ist hochverdaulich und kann bei Bedarf auch in Wasser angelöst werden. Dieses Spezialfutter deckt bereits bei einer geringen Futtermenge den täglichen Nährstoffbedarf des Pferdes.

 

 

Für die meisten Ponys dürfte damit der Speiseplan bereits gut gedeckt sein, das gilt auch für das ein oder andere Freizeitpferd. Weitere Futter-ergänzungen können jetzt durch das Alter eines Pferdes oder wegen höherer Arbeitsleistung, vielleicht aber auch einfach rassebedingt sein. Hier kann es angeraten sein, dem höheren Energiebedarf des Tieres entgegen zu kommen und ent-sprechende Futterergänzungen vor-zunehmen.

 

Und wieder sollte man sich zunächst auf den Speiseplan der Natur besinnen. Eindeutig dem Vorzug zu geben sind faserreiche Futtermittel. Dazu gehören als energiereiche Vertreter auch Alfalfa (Luzerne) und Rübenschnitzel. Beide sind jeder für sich- geniale Futtermittel.
Alfalfa ist ein strukturiertes und aminosäurereiches Raufutter, das bereits viele organisch gebundenen Nährstoffe liefert. Es liefert aber auch ähnlich viel Energie wie Hafer, allerdings enthält es nicht dessen Kohlenhydrate, die als eher un-natürliche Nahrungsquelle zu be-zeichnen sind. Schließlich hat ja auch der Mensch das Getreide "erfunden", die Natur sah nur die schmächtigeren Grassamen vor.
Die Rübenschnitzel und insbesondere die Speedi Beets liefern eine hochverdauliche Faser, also beste Nahrung für den Darm, auch deren Energiegehalt lässt sich durchaus mit dem des Getreides vergleichen.

Pferden, deren Energiebedarf auch hiermit nicht gedeckt werden kann, sollte man mit einer Ration guten Pflanzenöls auf die Sprünge helfen. Pflanzenöl hat einige Vorteile gegenüber der Getreidefütterung: Öle enthalten etwa das 2,5fache an Energie wie die vergleichbare Menge Getreide oder etwa 50g Öl entsprechen etwa 125g Hafer. Dies kommt dem kleinen Magen der Pferde sehr entgegen, ein weiterer Pluspunkt ist die langsame Freisetzung der Energie bei der Ölfütterung.
Während die Energie aus der Getreidefütterung einem Pferd sehr schnell zur Verfügung steht und diese dann aber auch recht schnell verbraucht ist, wird die Energie der Ölfütterung nur sehr langsam freigesetzt und der Körper wird über einen längeren Zeitraum kon-tinuierlich mit Energie versorgt. Ein eindeutiger Vorteil im Winter.
Lediglich Pferden mit Leberproblemem oder Pferden mit Metabolischem Syndrom und Insulinresistenz sollte man keine Öle füttern.


 

Oft verfällt der Pferdehalter der Leidenschaft, ein besonders um-fangreiches Menü für sein Pferd zusammen zu stellen. Hierbei sollte jedoch stets bedacht werden:

Raufutter ist das Wichtigste Futter, höchste Ansprüche gelten der Qualität und der zur Ver-fügung gestellten Menge!

Ein Mineral- und Vitaminfutter entsprechender Qualität ist die zweite Säule einer artgerechten Fütterung!

Kohlenhydrate aus Getreide und Produkten daraus sowie Zucker und deren Erzeugnisse sollten nur bei tatsächlichem Bedarf ge-füttert werde, denn diese Kohlen-hydrate entsprechen nicht der artgerechten Ernährung eines Pferdes.

Von Einzelpräperaten wie etwa Vitamin- oder Mineraler-gänzungen lässt man am Besten die Finger!

Sollte ein Pferd aus unbekanntem Grund mit dieser Ernährung dennoch gesundheitliche Probleme haben, die zunächst keinem speziellen Krank-heitsbild zugeordnet werden können, sollte als mögliche Fehlerquelle immer die Qualität oder die gereichte Menge des Raufutters in Frage gestellt werden. Bereits hier lassen sich oft die meisten "Fehlerquellen" finden und relativ unspektakulär eliminieren.
Ergänzungen wie etwa Möhren und Äpfel schaden zwar dem gesunden Pferd nicht, stellen aber auch keine besonders wichtige Nahrungs-ergänzung dar.

 

Beta- Karotin kann erst in Verbindung mit Fett oder Öl verwertet werden, damit es in Vitamin A umgebaut werden kann, ein Mangel an z.B. Zink kann die Aufnahme des Beta- Karotins ebenfalls erheblich stören. Somit bleibt dem Pferd und auch dem Halter schlichtweg das faserreiche Geschmacksvergnügen.
Getreidegaben wie etwa das "heiße Mash" sollten wirklich überdacht werden. Für den Menschen mag die Aussicht auf ein warmes Essen bei kalter Witterung tatsächlich etwas tröstliches haben, für das Pferd jedoch stellt es eine phosphorreiche Nahrung dar, deren Einsatz den wirklich kranken Pferden vorbehalten sein sollte, sofern sie denn wirklich nichts mehr fressen möchten. Einen besonderen Sinn machen diese Gaben nicht, wird doch auch im allgemeinen dazu geraten, ein Mash nicht häufiger als einmal in der Woche zu füttern. Wer also für sein Ego etwas tun möchte, wird ohne zaudern tief in die Futterkiste greifen und seinem Pferd ein warmes Menü kredenzen, andererseits sollte man sich fragen, ob man die Zeit nicht anderes verwenden möchte.

 

Nicht vergessen werden sollen die Vielzahl an Müslis, die die Pferdewelt jedes mal aufs Neue verunsichern. Ein gutes Kraftfutter wird auch nur in geringen Mengen gefüttert werden . Hohe Futtergaben im gehobenen kg-Bereich schließen eine Eignung als Pferdefutter bereits aus. Getreide ist keine artgerechte Fütterung eines Pferdes und sollte wirklich nur überlegt eingesetzt werden. Lediglich bei schwer arbeitenden Pferden oder einem tatsächlich hohen Energie-bedarf kann die kompakte Energie-zuführung in Form von Getreide sinnvoll sein. Nicht ohne Grund gibt es viele Pferdekrankheiten, die ihren Ursprung im Getreidefutter haben: Verschläge, Hufrehe, angelaufene Beine, eine scheinbar unbehandelbare Mauke, ja sogar Chips- Erkrankungen, Cushing, das Metabolische Syndrom und eine Insulin-resistenz werden der übermäßigen Getreidefütterung zugeschrieben. Gerade im Bereich der Chips- Erkrankungen, der Osteochondrose, ist in den letzten Jahren eine verstärkte Zunahme an Erkrankungen zu beachten. Dieses Problem ist hausgemacht, resultiert es doch aus der immer stärker werdenden Futterindustrie, die nahezu jeden Pferdehalter zu der Überzeugung bringen, ein Pferd könnte ohne Getreide- und Müsligaben nicht überleben.

 

Auch der Blick über den großen Teich offenbart, das dort bereits sehr viele Pferde an dem Metabolischen Syndrom leiden, einer Art Diabetiserkrankung des Typ II. Aber auch gerade dort gibt es ein nahezu unüberschaubares Sortiment an Getreidefutter und die großen Lebensmittelhersteller strömen mit ihren kohlehydratreichen Produkten auf den Futtermarkt. Sollte nicht schnellstens ein Umdenken in der Pferdeernährung stattfinden, wird man auch hier bei uns immer häufiger mit diesem Problem konfrontiert werden. Sinnvoller ist der Umstieg auf eine kohlenhydratarme, also stärke- und zuckerarme Ernährung.


Viele Pferdehalter tun sich allerdings schwer damit, den Rübenschnitzeln gegenüber dem Getreide den Vorzug zu geben. Hauptsächlich sind es jedoch das unspektakuläre Aussehen der Schnitzel, dessen schwaches Aroma und die befürchtete Mehrarbeit durch den vorzunehmenden Quell-vorgang. Das letztere Problem kann aber seit der Erfindung der Speedi Beets nicht mehr gelten. Diese Rübenschnitzel quellen innerhalb weniger Minuten und sind bei Zubereitung mit heißem Wasser bereits nach 5 Minuten futterfertig. In kaltem Wasser benötigen sie etwa 10 Minuten und sind somit für jeden Pferdehalter auch in einem engen zeitlichen Rahmen ein händelbares Zufutter.
Aber auch Schauergeschichten über Rübenschnitzel schrecken vor der Verfütterung der Schnitzel ab: Sie quellen stark nach und zerreißen die Magenwände, führen zur Schlund-verstopfung, sie enthalten zu viel Zucker oder enthalten keinerlei Nährstoffe sind nur einige dieser unhaltbaren Behauptungen.

Rübenschnitzel sind ein Reststoff aus der Produktion von Tafelzucker, die technischen Verfahren sind mittler-weile so ausgereift, dass diese Rübenfaser kaum noch Zucker enthalten. Während bei her-kömmlichen Trockenschnitzel oft Melasse zur Akzeptanzverbesserung und gegen Staubbildung verwendet wird, kommen Speedi Beets ganz ohne dieses Additiv aus.
5kg Trockengewicht Speedi Beets haben nicht mehr Zucker als ein paar Äpfel.


Futtermittel werden im allgemeinen in unterschiedliche Kategorien auf-geteilt: Raufutter, Kraftfutter und Proteinfutter. Futtermittel mit einem Rohfasergehalt über 18% gelten als Raufutter und umfassen alle Sorten von Heu, Alfalfa der auch Alfalfa-mehlen, Sojabohnenschalen und Heucobs.
Futtermittel mit weniger als 18% Rohfaser und weniger als 20% Rohprotein werden als Kraftfutter bezeichnet. Sie umfassen alle Sorten von Getreide, Weizen- und Reiskleie, Fette und Melasse.
Futtermittel mit weniger als 18% Rohfaser und mehr als 20% Rohprotein werden als Proteinzusatzfutter bezeichnet und beinhalten Sojabohnenmehl, leinsamen- und Baumwollsamenmehl, Bierhefe, Fischmehl, Sonnenblumensamen und pulverisierte Milch.
Diese Angaben helfen dabei. Ein bestimmtes Futtermittel in eine Kategorie einzuordnen und lassen erkennen, ob es sich bei einem Futter um ein Kraftfutter, oder einfach nur um teures Heu handelt.
Die Einteilung von Rübenschnitzeln in einer diese Kategorien ist allerdings gar nicht so einfach. Mit seinem geringen Rohproteingehalt aber mindestens 18% Rohfasergehalt befindet sich dieses Produkt zwischen zwei Kategorien, dem Raufutter und dem Kraftfutter. Oft werden die Rübenschnitzel als Raufuttermittel gereicht und hierin liegt wohl auch der größte Vorteil dieses speziellen Futters. Vergleicht man den Energiegehalt der Rübenschnitzel mit denen andere Futtermittel so würde eine Aufstellung in etwa so aussehen:

 

Futtersorte Energie (Mcal/kg) In Bezug auf Rübenschnitzel
Pflanzenöl 8,98 385%
Maisflocken 3,38 145%
Weizenkleie 2,94 126%
Hafer 2,85 122%
Rübenschnitzel 2,33 100%
Alfalfa, frühe Ernte 2,24 96%
Haferstroh 1,75 75%

 

 Generell haben Rübenschnitzel einen höheren Kaloriengehalt als jedes Raufutter, sie liegen damit aber auch unter dem Gehalt von Getreiden, die dem Pferd üblicherweise gefüttert werden. Bedeutet das aber, das Rübenschnitzel weniger geeignet sind, um dem Pferd die nötige Energie zuzuführen? Nicht zwangsläufig!
Rübenschnitzel sind nicht nur Pfund für Pfund niedriger im Energiegehalt als Getreide, sie sind auch niedriger im glykämischen Index als jedes andere Getreide. Der Glykämische Index gibt Aufschluss über den Gehalt an Einfachzucker in einem Nahrungsmittel und seinem relativen Effekt auf die Plasmaglukose. Futtermittel mit einem hohen glykämischen Index wie etwa Mais (stärkereich), werden sehr schnell durch Enzyme im Darm des Pferdes in Glukose verwandelt, erhöhen sehr schnell den Blutglukosegehalt und können dadurch auch zu einem "feurigen" Pferd verhelfen. Der jedoch wesentlich gefährlichere Effekt ist, unter bestimmten Umständen, das Futtermittel mit einem hohen glykämischen Index möglicherweise eine Darm- Azidose" auslösen kann, welche wiederum zu Kolik innerer Vergiftungserscheinung und Hufrehe führen kann.
Futtermittel mit einem niedrigen glykämischen Index wie etwa Rübenschnitzel führen zu keiner oder nur sehr geringer Erhöhung des Blutzuckerspiegels und stellen ihre Energie in Form von flüchtigen Fettsäuren, dem Energie- Nebenprodukt durch die Fermentation im Pferdedarm. Die vorstehende Tabelle zeigt deutlich, dass der glykämische Index bei Getreide und Getreideprodukten am höchsten, bei Raufuttern jedoch am niedrigsten ist, die Rübenschnitzel befinden sich genau in der Mitte zwischen den beiden Extremen.

 

Mal abgesehen davon, das man auf diese Weise der Fütterung ein "Raketenpferd" vermeiden kann, welche weiteren Auswirkungen hat der glykämische Index?
Energiereiche Futtermittel wie etwa Mais sind eine konzentrierte Quelle an Kalorien und überbieten in dieser Beziehung die Rübenschnitzel, oder? Wie auch immer, ja, aber ebenso sind Futtermittel mit einem hohen glykämischen Index auch sehr viel häufiger die Auslöser für eine ernährungsbezogene Gesundheitsprobleme wie z.B. Kolik, Hufrehe und EPSSM.
Aus diesem Grunde sollten Futter mit hochlöslichen Kohlenhydraten nur in den wirklich benötigten und kleinen Mengen gefüttert werden, um Darmproblemen vorzubeugen. Im Gegensatz dazu entsteht die Energie der Rübenschnitzel aus beidem, löslichen und unlöslichen Fasern, welche relativ noch langsamer nach der Fermen-tation freigesetzt wird als die Energie aus dem Heu oder anderen Raufuttern. Heu enthält unter-schiedliche Mengen an unlöslicher Faser, die die Verdaulichkeit und die Energieausbeute beeinflussen.



Ein großer Teil der Rübenschnitzel besteht aus löslicher Faser wie das Pektin. Pektin ist hochverdaulich und liefert schnell zu erschließende Energie. Rübenschnitzel wie die Speedi Beets, die kaum nennenswerte Mengen an Kohlenhydraten enthalten, können problemlos auch in größeren Mengen gefüttert werden. Auch wenn Rübenschnitzel etwas weniger Energie als die vergleichbare Menge Getreide enthalten, können sie dennoch den Kaloriengehalt der Futterration anheben. Dann nämlich, wenn ein Teil des Raufutters durch Rübenschnitzel ersetzt wird oder eine Getreide-mahlzeit mit Rübenschnitzel "gestreckt" wird. Rübenschnitzel können bis zu 50% der täglichen Raufutterration ersetzen ohne jedoch das Risiko einer Kolik oder einer Hufrehe zu begünstigen.

Entgegen der landläufig weit verbreiteten Meinung, Rübenschnitzel müssten vor dem Füttern gewässert und aufgequollen werden, muss man bemerken, das dies nicht zwingend notwendig ist. Tatsächlich gibt es Situationen, in denen es notwendig ist, Rübenschnitzel trocken zu füttern. In Studien verschiedener Univer-sitäten wurden Rübenschnitzel bis zu 45% der Tagesration trocken ver-abreicht und es kam zu keinerlei Problemen wie etwa Kolik oder sonstigem. Zu Problemen kommt es erst dann, wenn die pelletierte Form der Rübenschnitzel gefüttert wird. Gierige Pferde verschlucken diese Pellets in Ganzem, was dann wiederum z.B. zu einer Schlundverstopfung führt. Auslöser ist aber nicht die Rübenfaser selbst.